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  • Dietmar Gebert

"Leben auf dem Campingplatz"

Seit einer Woche sind wir nun auf dem Campingplatz und fassen zusammen, was uns dort bislang begegnet ist:



Da ist zuerst einmal Monika. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Rabatte (schmale, lange Beete mit Zierpflanzen) vor ihrem fest installierten Wohnwagen neu zu bepflanzen. In der Nähe des Campingplatzes hat sich eine Baumschule angesiedelt und die wird von den ankommenden Dauercampern regelrecht überschwemmt. Monica hat sich von Gerhard aus Idar-Oberstein den Anhänger ausgeliehen, um Großeinkauf in der Baumschule zu machen. Sie steht vor allem auf Jasmin-Pflanzen (vermutlich auf Grund der betörenden Wirkung). Allerdings weiß ihr Mann, Siegfried, weder etwas von dem Großeinkauf, noch von der Wirkung einer Jasminpflanze...


„Ernst“ (Parzellenplatz 1091) ist dabei, welke Blätter eines Zitronenbaums vor seinem Zelt zu entfernen. Familie Neumann aus Traunstein will nicht untätig sein und lässt 2 Anhängerladungen Feinsplit auf ihren Platz bringen, um diesen gleichmäßig zu verteilen. Sergio schneidet seine Kirschlorbeerhecken nach Schablone, während seine Frau Brigitte feinstes Hanföl unters Volk bringt. Da sage noch mal einer: Im Urlaub wird nicht gearbeitet.


Daher machen wir uns auf die Suche nach Menschen, die hier sind, um sich zu erholen. Wir finden „Brownie“ am Kap, dem sonnenreichsten Platz dieser Anlage. „Brownie“ trägt keine Kapp, daher auch der Name „Brownie“. Denn er sieht jetzt im Mai aus, als würde er schon 3 Monate ohne Unterbrechung in der Sonne liegen. Er hat die für Sonnenanbeter typischen Hals- und Pofalten, die auf Grund der teilweise gestauchten Lage auf der Liege nicht bräunen können. Richtet er sich auf, sieht er aus wie ein Zebra. Brownie kauft kein Hanföl bei Brigitte, er inhaliert es lieber direkt...


Egon (83 Jahre) ist einer der treuesten Campingplatzbesucher. Er war schon 1968 bei der Grundsteinlegung des Campingplatzes mit dabei und hat den ersten Wohnwagen noch mit dem Pferd über die Alpen gezogen. Während des Bürgerkrieges hat er (als Deutscher) auf Grund seiner tiefgreifenden Solidarität an der Seite des kroatischen Volkes gegen die Serben gekämpft und so sieht er heute auch aus. 18 von 24 Stunden verbringt er schlafend auf der Liege vor seinem reparaturbedürftigen Wohnwagen. Nur nachts geht er rein zum Schlafen...


Essen auf dem Campingplatz

Wer regelmäßig campt, weiß, dass Grillen des Campers größte Leidenschaft ist. Und wenn man eine Runde auf dem Campingplatz dreht, dann sieht man, was alles gegrillt werden kann: Hackfleischröllchen, Schweinsöhrchen, Raubmöven... Ich bin sicher, dass die eine gerade eben noch kreischend am Strand über uns nach was Essbarem suchte und jetzt...? Mövenfleisch schmeckt wie Fisch, denn die Möve ernährt sich auch von nichts anderem. Ich mache mir allerdings Sorgen, da sich über dem Grill Rauchschwaden bilden, die besorgniserregend sind. Vielleicht liegt ja auch eine Rauchschwalbe auf dem Rost.

Ich überlege, ob ich mich bei „Wetten dass...“ mit einer Wette bewerbe, dass es mir gelingt, anhand der Rauchsäule über dem Grill zu erraten, was gerade gegrillt wird.


Am Wochenende kommt die Wetterwende. Die Temperatur sinkt um sage und schreibe 10°C. Das fühlt sich in Kroatien an wie Winter. Viele Camper haben gar keine lange Hose dabei oder keine Jacken. Gewöhnlich braucht man die auch nicht, außer... jetzt!


Was machen die Menschen bei diesem Wetter, wenn es auch noch regnet. Rein aus Recherchezwecken drehe ich neugierig eine Runde.


Monika sehe ich lachend neben ihrem neu gestalteten Beet sitzen. Sie reibt sich die Hände, denn sie muss nicht gießen. Auch Siegfried lacht, denn der „Duft“ des Jasminstrauches kommt bei Regen nicht so zum Tragen, als bei Sonnenschein.


Ernst spielt mit seiner Frau Heide eine Partie „Rummi“. Ich glaube, es ist eine XXXL-Version, denn die Plättchen sind so groß wie Spielkarten. Daher brauchen die Beiden auch den großen Tisch, den man auch noch ausziehen kann.


Familie Neumann ist beim Betonieren ihres Parzellenplatzes. Sie setzen Randsteine. Herr Neumann muss Mechaniker sein, denn er arbeitet mit Lot und Wasserwaage. Wenn er in diesem Tempo weiter arbeitet, wird er bis Ende der Saison fertig sein.



Brigitte macht mit dem Verkauf von Hanföl das Geschäft ihres Lebens. Noch nie habe ich so viele Menschen zugedrönt auf einem Campingplatz gesehen. Manche Inhalieren dieses Zeug, um das Wetter zu vergessen.


Und nach Regen kommt immer wieder Sonnenschein. Als ich am nächsten Tag eine Runde auf dem Campingplatz jogge (eine Runde sind exakt 4,08 km), sehe ich von weitem eine Rauchsäule und ich denke: Jetzt hat es „Brownie“ aber wirklich übertrieben mit dem Sonnenbad! Als ich mich dem Geschehen nähere, bin ich erleichtert. Es ist nur der „Raubmöven-Griller“, der an seinem Smartphone herumspielt und dabei völlig sein Grillgut vergessen hat...

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